"Den heute ent­standenen Markt für Online-Maß­möbel haben wir selbst mit­entwickelt."
Interview mit
Birgit Schips

Interview mit Birgit Schips

Schreinerei 2.0: Maßmöbel auf dem Sofa planen

Meine Möbelmanufaktur startete 2011 mit einer Vision, die dem einen oder anderen wage bekannt vorkommen dürfte: "ein Maßmöbel in jedem Haushalt". Auch Microsoft startete mit einer ähnlichen Vision: "Ein Computer in jedem Haushalt". Das war noch zu einer Zeit, als Computer teuer, groß und schwer waren. Was damals belächelt wurde, ist heute ernstzunehmende Realität. Für Microsoft hat die Vision funktioniert. Wie sieht es bei meine möbelmanufaktur aus? Aktuell sehr gut: Die "Schreinerei 2.0" gewann 2018 die Auszeichnung "Deutschlands beste Online-Händler" in der Kategorie "Möbel-Shops" – und überholte damit große Möbel-Shops wie IKEA.

Kunde:
Birgit Schips
Geschäftsführerin meine möbelmanufaktur
Birgit Schips von meine möbelmanufaktur
visual4:
Christoph Plessner
Digital Architect, Geschäftsführung
Hallo Frau Schips,

erst einmal herzlichen Glückwunsch zur erneuten Auszeichnung Ihrer Online-Schreinerei. 2012 gewannen Sie den Gründerpreis. Und jetzt, 6 Jahre später, erhalten Sie eine Auszeichnung als bester Online-Händler in der Kategorie „Möbel nach Maß“. Haben Sie diesen Erfolg erwartet, als Sie 2011 zusammen mit Sebastian Schips meine möbelmanufaktur gründeten?

Als wir 2011 das Unternehmen gründeten, haben wir natürlich bereits an das Konzept geglaubt, Möbel online zu planen und für den Kunden zur Selbstmontage zu versenden, – und das Potenzial des Geschäftsmodells gesehen. Aber wie bei jeder Gründung gab es keine Garantie für den Erfolg. Umso mehr freut es uns heute zu sehen, dass unsere Erwartungen eingetroffen sind. Auszeichnungen wie die zu „Deutschlands beste Online-Händler“ sind für uns die Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Haben Sie befürchtet, dass niemand ein Möbelstück tatsächlich selbst online planen möchte oder wussten Sie im Vorfeld, dass der Markt – und vor allem die Kundschaft – bereit für die Schreinerei 2.0 ist?

Wir waren uns sicher, dass Kunden den Mehrwert sehen werden, den die Online-Bestellung von Maßmöbeln bringt. Den heute entstandenen Markt für Online-Maßmöbel haben wir selbst mitentwickelt. Seit nun über 7 Jahren erzählen wir jedem der es hören will, dass meine möbelmanufaktur der Schreiner 2.0 ist. Im Jahr nach unserer Gründung haben wir bereits den Gründerpreis der Wirtschaftswoche erhalten und konnten ein Jahr lang über unser Startup im Format des Gründertagebuches in der Zeitschrift berichten.

Die Vorteile sind einfach erklärt: Der Kunde plant sein Möbel unabhängig von Öffnungszeiten direkt vom Sofa aus. Da er selbst das Aufmaß und den Aufbau übernimmt, spart das Geld. So erhält der Kunde einen Einbauschrank in top Schreinerqualität zum Möbelhauspreis.

Die wichtigste Hausaufgabe für uns war, den Planungs- und Bestellprozess möglichst einfach zu gestalten, Vertrauen aufzubauen und Barrieren abzubauen. Denn die Tendenz zum Online-Shopping war bereits damals klar erkennbar. Doch es galt den potenziellen Kunden verständlich zu machen, dass sich nicht nur Produkte von der Stange sicher im Internet kaufen lassen.

Für die Bewertung „Deutschlands beste Online-Händler“ befragte das Handelsblatt 1000 Personen, die sich bei euch ihr Traummöbelstück anfertigen ließen. Über 300 Personen müssen überzeugte „meine möbelmanufaktur“-Fans sein, denn sie haben für euch als bester Online-Maßmöbel-Shop gestimmt. Im Vergleich dazu, hat Ikea, das Gewinner-Unternehmen der Kategorie „Möbel-Shops“, nur um die 150 Personen vollständig überzeugen können. Was ist es, dass eure Kundschaft so begeistert?

Wir kommunizieren mit unseren Kunden immer offen. Im Konfigurator ist immer transparent der Preis für genau diese Konfiguration zu sehen.

Wir bemühen uns natürlich stets Sonderwünsche, die im Konfigurator nicht umsetzbar sind zu realisieren – kommunizieren aber auch ganz klar, wenn etwas in unserem System nicht funktioniert.

Diese offene Kommunikation ist definitiv ein wichtiger Punkt. Zusätzlich bieten wir aber auch umfangreiche Service-Leistungen, die unsere Kunden sehr schätzen. Obwohl unsere Kunden ihr Möbelstück komplett selbst planen können – dank des Online-Bestellprozesses im Konfigurator – lassen wir die Kunden auf dem Weg zum Maßmöbel nicht alleine. Wir bieten in jedem Schritt unsere Unterstützung an, sei es nun allgemein bei der Planung, bei der Umsetzung von Sonderwünschen, beim Aufmaß oder bei der Montage.

In den letzten 7 Jahren seit der Gründung haben Sie sicher viele Erfahrungen gesammelt. Gleicht Ihre heutige Geschäftsstrategie noch immer dem damaligen Plan? Oder haben Sie neue Kundenbedürfnisse oder -Probleme entdeckt, die Sie zu Beginn noch gar nicht auf dem Schirm hatten?

Unsere Geschäftsstrategie ist in den Grundzügen dieselbe geblieben. Unser Fokus liegt nach wie vor darauf, die Kunden selbst zu befähigen, ihre individuellen Möbel zu planen und aufzubauen. Auch heute noch ist es unsere Vision: ein Maßmöbel in jedem Haushalt.

In der Vergangenheit haben wir immer neue Produkte zu unserem Portfolio hinzugefügt. Nicht alle diese Produkte haben funktioniert. So haben wir beispielsweise unseren Tischkonfigurator wieder eingestellt, da die Nachfrage nach maßgefertigten Tischen sehr gering war.

Welche Bedeutung hat „Flexibilität“ für Sie, wenn Sie an ein digitales Geschäftsmodell wie das Ihre denken?

Wichtig ist bei uns natürlich die Flexibilität auf unsere Kunden einzugehen. Jeder unserer Kunden hat einzigartige Wünsche, Bedürfnisse und dadurch auch ein ganz individuelles Endprodukt. Wir legen viel Wert darauf, uns immer wieder den Wünschen unserer Kunden anzunehmen und nach Lösungen für deren Umsetzung zu suchen. Unseren Konfigurator und die Services optimieren wir auf dieser Grundlage. Mit dem Ziel passgenaue Produkte und Services für unsere Kunden zu entwickeln.

Als Sie 2011 Ihre Gründungsidee verwirklichen wollten und nach einem technischen Partner Ausschau hielten, welche Vorstellung von der Zusammenarbeit hatten Sie?

Für uns war es wichtig einen Partner zu finden, der uns in der Umsetzung unseres Konfigurators unterstützt, bei dem wir aber trotzdem die Möglichkeit haben selbst mitzuwirken. Da wir auch selbst die Konstruktion und Logik des Konfigurator programmieren, ist es für uns wichtig, gemeinsam mit der Agentur den Konfigurator zu programmieren.

Wie lief es tatsächlich ab?

Von Anfang an haben wir uns mit dem Team von visual4 gut verstanden und hatten die gleichen Vorstellungen vom Endprodukt. So haben wir einen hochfunktionalen 3D-Konfigurator entwickelt, den wir gemeinsam kontinuierlich optimieren und weiterentwickeln.

Heute besteht Ihre digitale Lösung aus einer Online-Plattform mit Produktkonfigurator und einem angeschlossenen CRM-System. Was konnten Sie damit bereits verwirklichen und was sind die nächsten Schritte?

Als großer Freund von Digitalisierung und innovativen Lösungen sind wir gespannt auf die Entwicklungen im Bereich Bots und künstlicher Intelligenz. Durch ausgereifte Lösungen auf diesem Gebiet könnten wir unseren Service auf eine 100-%-Verfügbarkeit ausbauen. Die Entwicklungen in diesem Bereich und die Möglichkeiten zur Verknüpfung mit dem CRM-System beobachten wir mit Spannung.

Vielen Dank Frau Schips! Und weiterhin viel Erfolg mit der besten Online-Schreinerei!