Online-Vertrieb in Zeiten von Corona

Online verkaufen mit möglichst wenig Aufwand

3. April 2020 - von Mara Kasubke

Die Läden sind dicht. Social Distancing und Kurzarbeit. Persönliche Beratung? Nur mit Mundschutz und Plexiglas.

Corona lässt viele Konsumenten wie auch Unternehmen den Pause-Knopf drücken. Warum das schlecht für die Wirtschaft ist, wie wir aus dem Teufelskreis ausbrechen und warum kein ausgeklügelter Online-Shop notwendig ist, um online zu verkaufen, das kläre ich in diesem Beitrag.

Den Wirtschaftskreislauf füttern

Wer nicht einkauft, der verdient
auch nichts

Die Corona-Pandemie zeigt uns deutlich, wie sehr unsere eigene Existenz von anderen abhängig ist. Und zwar nicht nur von unseren eigenen Kunden, sondern auch von den Kunden unserer Kunden, deren Lieferanten und Handelspartnern und so weiter.

Auch Unternehmen im Konsumentengeschäft sind nicht rein von Konsumenten abhängig, sondern auch von den Unternehmen, die die Konsumenten bezahlen. Kurzarbeit? Das ist in unserem Wirtschaftssystem nicht nur eine Schreckensnachricht für die Lohnempfänger, sondern auch für die Unternehmen, deren Kunden die Kurzarbeiter sind.

Weniger Lohn bedeutet weniger Kaufkraft bedeutet weniger Einnahmen. Und wer weniger Einnahmen hat, kann auch seinen Angestellten weniger Lohn zahlen … der Teufelskreis beginnt sich zu drehen.

Wie bleiben wir optimistisch?

Das Krasse an der Corona-Pandemie ist, dass wir uns von jetzt auf gleich umstellen müssen. Manche brauchen sogar ein ganz neues Geschäftsmodell, um die Einbrüche an Einnahmen auszugleichen.

Die Hilfspakete vom Bund sind zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber helfen dem einen oder anderen zumindest ein klein wenig aus der Patsche.

Doch das Ziel sollte sein, die Wirtschaft auch in Zeiten von Corona lebendig zu halten. Das heißt, wir schauen, wie wir Konsumenten jetzt erreichen und zum Kauf bewegen können. Wir wenden dafür die gleichen Prinzipien an wie immer: Was sind die Bedürfnisse der Kunden? Und wo und wie erreichen wir diese?

Auf der Straße, im Ladengeschäft erreichen wir aktuell eher niemanden mehr. Online? Schon eher.

Was sich online anbieten lässt und wie, zeige ich im weiteren Verlauf dieses Beitrags.

Das können wir jetzt tun

Mit finanziellen Mitteln können wir von visual4 leider nicht helfen, aber mit Erfahrungen im Bereich Online-Vertrieb und Online-Marketing.

Jetzt kommt es darauf an, wo Sie gerade stehen. Überlegen Sie, was Sie online anbieten können – Sie brauchen Ideen für Geschäftsmodelle? Oder möchten Sie wissen, wie Sie möglichst schnell über das Internet Einnahmen erzielen können – Sie brauchen Anleitungen zum Aufsetzen der richtigen Tools?

Dies erwartet Sie in den nächsten Abschnitten:

  1. Ideen für Online-Geschäftsmodelle für Veranstalter, Dienstleister und Händler
  2. Anleitungen zum Aufsetzen einer einfachen Online-Plattform mit Website und wahlweise Webshop

Ideen für Geschäftsmodelle

Das lässt sich online verkaufen

Gerade Veranstaltungsanbieter und Restaurants und Cafés trifft es gerade hart. Auch Handwerker müssen auf viele Aufträge verzichten, die sie in das Heim und die Nähe ihres Auftraggebers führen würden.

Was also tun?

Im Bereich Veranstaltungen

Dieses Feld ist natürlich sehr breit. Den einen wird es leichter fallen Online-Veranstaltungen anzubieten als den anderen. Dies sind Vorschläge, die uns zum Thema Veranstaltungen einfallen:

Online-Seminare anbieten

Gerade Wissen lässt sich heutzutage online anbieten und gut verkaufen. Wenn Sie bisher Veranstaltungen organisiert haben – warum das Wissen, wie Sie das machen und auf was Veranstalter achten sollten nicht aufbereiten und als Online-Seminar anbieten? Oder vielleicht sind Sie gut im Vermarkten von Events … Erstellen Sie ein Video zum Beispiel mit Ihrem Smartphone und erklären Sie, wie Sie das machen.

Rabatte auf Veranstaltungen Post-Corona

Wir können davon ausgehen, dass wir spätestens im Sommer wieder auf Veranstaltungen gehen können. Eine Idee ist daher, die Verkäufe von Events zu diesem Zeitraum anzukurbeln mit Rabatten. Wer mutig ist, der kann auch Rücktrittsgarantien von bis zu einer Woche vor dem Event anbieten. Das gibt Teilnehmern ein wenig mehr Sicherheit. Ist aber natürlich ein Spiel, bei dem Sie als Veranstalter Vertrauen in die Zukunft haben müssen.

Digital-Partys veranstalten

Konzerte im Live-Stream, Themen-Vorträge per Video-Konferenz, Partys bei jedem zuhause vernetzt durch einen gemeinsamen Event-Kanal? Die Logistik ist sicher eine Herausforderung. Doch Möglichkeiten gibt es viele. Werden Sie kreativ und probieren Sie einfach mal eine Idee aus. Auch wenn sie vielleicht noch so abwegig erscheint. In Zeiten von #SocialDistancing wollen sich Menschen immer noch nah sein und gemeinsam Spaß haben, wenn es auch über Video, Chat und Live-Stream ist.

Im Bereich Dienstleistungen

Ich denke da an all die Handwerker da draußen oder Freelancer.

Beratung und Anleitung per Telefon oder Skype

Es kommt natürlich darauf an, was gemacht werden muss. Einen Elektroherd verkabeln, das sollte der Elektriker schon persönlich machen. Aber eine bestimmte Technik zum Wände streichen oder wie sich Farben ideal mischen lassen, das ließe sich zum Beispiel über Telefon oder Video-Chat anleiten und zeigen.

Anleitungen als Videos online stellen

Und natürlich bezahlen lassen. Was sind Fragen, die Sie immer wieder gestellt bekommen? Könnten Sie diese in Videos oder Anleitungen beantworten? Möglich wäre ein Video kostenlos anzubieten und weitere per bezahltem Login anzubieten.

Gutscheine / Rabatte für Post-Corona-Aufträge

Einige Unternehmen verkaufen aktuell auch Gutscheine mit ermäßigtem Preis auf die eigenen Angebote, einlösbar nachdem die Kontaktsperre wieder aufgehoben wurde. Durch die Rabatte können Sie einen Anreiz setzen, gerade jetzt zu kaufen.

Im Bereich Handel

Das stationäre Geschäft fällt für viele von uns komplett weg. Wer bereits digital mit einem Online-Shop unterwegs ist, ist jetzt natürlich im Vorteil. Doch auch für diejenigen, die sich bisher mehr um lokale und persönliche Kundenbeziehungen gekümmert haben, gibt es Hoffnung.

Bestellungen per Telefon annehmen

Sehr schnell können Sie loslegen mit klassischen Bestellannahmen per Telefon. Posten Sie einen Hinweis auf einer einfachen Webseite mit einer Telefonnummer, über die Kunden bestellen können sowie Hinweisen zu Ihrer Erreichbarkeit und Lieferkonditionen. Statt einer Webseite können Sie auch eine facebook-Seite oder ein Instagram-Profil erstellen und dort Kundenservice anbieten.

Online verkaufen per Webshop

Ihre Produkte lassen sich natürlich ideal über einen Webshop verkaufen. WordPress in Kombination mit dem Shop-Plugin WooCommerce sind schnell aufgesetzt und auch für den geschrumpften Geldbeutel gut bezahlbar. Wie Sie solch ein System aufsetzen, erkläre ich im weiteren Verlauf dieses Beitrags.

Online verkaufen per Social Media

Social Media hat den Vorteil, dass Profile und Seiten leicht aufgesetzt sind und sich auch recht schnell Anzeigen schalten lassen. Instagram bietet sogenannte Shoppable Posts, über die Sie Produkte direkt verkaufen können.

Die Kollegen von OMR haben ein paar Beispiele gepostet, die Einblicke geben, wie Händler auf Instagram aktuell verkaufen (können): Wie Einzelhändler über Instagram ihre Produkte auch in Corona-Zeiten an die Kunden bringen

Abo-Modelle

Gerade für Unternehmen, die bisher hauptsächlich auf das Projekt- und Auftragsgeschäft gesetzt haben, treffen Absagen und Aufschiebungen von Projekten hart. Wiederkehrende Leistungen zum Beispiel durch ein Abo sorgen langfristig für mehr Entspannung.

Beispiele von Abos:

  • Blumenabo: Abonennten erhalten jede Woche / jeden Monat einen Strauß Blumen der Wahl oder zufällig zusammengestellt.
  • Mittagessen-Abo: Es soll ja noch Menschen geben, die nicht kochen können. Oder die einfach generell nicht gerne kochen und bisher immer ins Restaurant zum Mittagessen gegangen sind. Diese Personen freuen sich sicher, wenn sie Ihr Mittagessen auch in Corona-Zeiten vom Restaurant bekommen.
  • Hundefutter-Abo
  • Wein-Abo
  • T-Shirt-Abo

Lieferservice

Selbst Amazon ist aktuell mit der Nachfrage an Online-Bestellungen und Lieferungen überfordert. Der Webshop-Gigant bevorzugt daher die Lieferung von aktuell stark nachgefragten Gütern und liefert diese schneller aus als Produkte anderer Kategorien. Dies ist eine Chance für lokale Unternehmen Ihre Produkte im regionalen Umfeld schneller auszuliefern als Amazon.

Wer aktuell zuhause sitzt und ein Auto oder Lastenfahrrad besitzt, könnte sich zudem bereit erklären, für lokale Geschäfte Lieferungen auszufahren. Jetzt ist die Zeit kreativ zu werden.

Die richtigen Vertriebstools aufsetzen

Möglichst schnell über das Internet Einnahmen erzielen

Ziel ist jetzt möglichst schnell eine Plattform zu schaffen, um Ihre Kunden zum einen darüber zu informieren, dass sie noch bei Ihnen einkaufen können. Und zum anderen, um Ihre Angebote direkt zu verkaufen.

Folgende Tools stellen wir Ihnen vor:

  • Website mit WordPress erstellen
  • Online-Shop mit WooCommerce erstellen
  • Webpräsenz sichtbar machen, z. B. über Anzeigen

Website erstellen

Auch eine Website lässt sich heutzutage recht simpel erstellen. Es gibt diverse Baukastensysteme, die einen schnellen Einstieg ermöglichen. Wir empfehlen jedoch mit WordPress zu starten, da Sie darüber mehr Kontrolle haben und Ihre Website auch langfristig weiterführen können.

So erstellen Sie eine Website mit WordPress

  1. Buchen Sie ein günstiges Webspace-Paket
    Webspace ist sozusagen der Parkplatz, auf dem Sie Ihre Website parken. Dort suchen Sie auch Ihre Internet-Domain, d. h. Ihre Website-Adresse aus. Z. B. meine-gaertnerei.de. Ein Webspace-Anbieter, den wir empfehlen können, ist z. B. ALL-INKL.
  2. Installieren Sie WordPress auf Ihrem Webspace
    Viele Anbieter bieten sogenannte 1-Klick-Installer. Das heißt, Sie melden sich einfach bei Ihrem Webspace-Anbieter an und können dort mit wenigen Klicks WordPress installieren.WordPress auf eigenem Webspace installieren
  3. Melden Sie sich an WordPress an
    Sobald Ihr Webspace-Anbieter Ihre WordPress-Installation abgeschlossen hat, können Sie sich über Ihre Website-Adresse an WordPress anmelden, z. B. mit meine-gaertnerei.de/admin
  4. Website-Theme aussuchen
    In WordPress existiert eine große Zahl an Webdesigns aus denen Sie sich ein schönes raussuchen können. Über den folgende Klickpfad Designs > Themes > Theme hinzufügen kommen Sie auf die Theme-Übersicht. Suchen Sie sich ein Theme aus und wählen Sie Installieren.Webdesign-Theme in WordPress auswählen
  5. Content hinzufügen
    Erstellen Sie nun eine Seite und schreiben Sie dort rein, was Sie anbieten und wie Besucher Ihr Angebot bestellen können.
  6. Seite als Startseite definieren
    Welche Seite die Startseite ist, definieren Sie in WordPress über den Customizer. Diesen finden Sie unter Design > Themes > Customizer. Je nach Theme sind die Bezeichnungen und Menüs im Customizer anders. Suchen Sie eine Option Startseiten-Einstellungen oder ähnliches. Dort können Sie einstellen, welche Seite beim ersten Aufruf Ihrer Domain angezeigt wird.Website-Startseite in WordPress auswählen

 

Damit können Sie schon jetzt starten und es kostet Sie nur ca. einen bis zwei Tage, bis Sie loslegen können (kommt natürlich auch darauf an, wie schnell die Webspace-Anbieter aktuell reagieren). Und auch der schmale Geldbeutel lässt sich so zufriedenstellen.

So erstellen Sie einen Webshop mit WooCommerce

WooCommerce ist ein Plugin für WordPress. Setzen Sie daher zuerst WordPress wie oben beschrieben auf und installieren Sie dann folgende Plugins:

  • WooCommerce (Basissystem Webshop)
  • Germanized für WooCommerce (Erweiterung für WooCommerce)
  1. WooCommerce und WooCommerce Germanized installieren
    Nach der Installation werden Sie durch die Konfiguration geführt.Webshop WooCommerce installieren
  2. Theme Storefront installieren
    Wenn Sie einen Webshop mit WordPress betreiben möchten, brauchen Sie ein Website-Theme, dass mit WooCommerce kompatibel ist. Empfehlenswert ist das leichtgewichtige Storefront. Das Theme finden Sie unter Designs > Themes > Theme hinzufügen > Storefront
  3. Produkte einstellen
    Haben Sie WooCommerce installiert, finden Sie nun in der Menüleiste links einen Punkt Produkte. Dort legen Sie nun Ihre Produkte an und veröffentlichen diese.
  4. Bestellprozess testen
    Bevor Sie Ihre Website über Anzeigen oder Postings in Social Media bekanntmachen, sollten Sie testen, ob der Bestellprozess einwandfrei funktioniert.

So machen Sie Ihre Online-Präsenz bekannt

Die größte Herausforderung wird sein, Ihre Online-Präsenz bekannt zu machen.

Folgendes können Sie kostenlos machen:

Melden Sie sich an Social-Media-Plattformen an, bzw. nutzen Sie Ihren Social-Media-Kanal, um über Ihre Webpräsenz aufmerksam zu machen, z. B.

  • Facebook
  • Instagram
  • nebenan.de
  • LinkedIn
  • XING


Folgendes können Sie machen über bezahlte Inhalte:

  • Anzeigen in Social Media einstellen
    Haben Sie fotogene Produkte? Erstellen Sie kreative Bilder und schalten Sie Anzeigen in Instagram und facebook.
    Sie verkaufen an Unternehmen? Dann sind LinkedIn und Xing die richtige Wahl für Anzeigen.
  • Anzeigen über Google einstellen (SEA)
    Anzeigen in Google funktionieren über ein Auktionssystem. Suchbegriffe für die viele Leute Anzeigen schalten wollen, haben eine hohe Nachfrage. Eine gute Platzierung kostet daher mehr. Versuchen Sie daher einen Suchbegriff zu verwenden, der nicht zu allgemein ist, z. B. „Blumen kaufen Botnang“. Durch die lokale Einschränkung ist der Begriff wesentlich spezifischer und Sie müssen nicht mit so vielen Konkurrenten um eine gute Platzierung kämpfen.Die offizielle Anleitung zur Einrichtung von SEA-Kampagnen finden Sie unter folgendem Link: Anzeigen auf der Suchergebnisseite von Google schalten

Existenzsicherung in Krisenzeiten

Bestens vorbereitet für den nächsten Lockdown

Auch wenn Sie sich vielleicht aktuell ein wenig überfordert fühlen, wenn Sie sich jetzt um Ihre digitale Präsenz kümmern, sind Sie beim nächsten Lockdown ein wenig entspannter. Und leider müssen wir genau damit rechnen: Was ist, wenn Corona nächsten Winter zurückkommt? Wird es wieder zu einem Kontaktverbot kommen?

Eine digitale Präsenz und das Lernen der digitalen Tools ist also eine gute Investition in die Existenzsicherung in Krisenzeiten. Ich hoffe, wir konnten Ihnen mit diesen Tipps und Einblicken ein wenig Inspiration und Unterstützung bieten.

Von Mara Kasubke
Hi, ich bin Mara von visual4. Als ausgebildete Technische Redakteurin liegt es mir am Herzen, digitale Technologien zu verstehen und die Vorteile und Funktionsweise verständlich und unterhaltsam zu erklären. Viel Spaß in unserem Digital-Blog!