Berufsbild Digital Developer

Digital Developer, der Problemlöser

11. September 2019 - von Petra Jahn-Firle

Der aktuelle Arbeitsmarkt-Report 2019 der DEKRA Akademie GmbH zeigt es schwarz auf weiß: Softwareentwickler, Programmierer und Softwarearchitekten werden derzeit von Unternehmen mit am häufigsten nachgefragt. In so gut wie jeder Branche braucht es Experten, die sich um Softwarelösungen kümmern, um Software, die Apps und Prozesse steuert oder Websites Leben einhaucht.

Auf seinem Bildschirm leuchten bunt hervorgehobene Codeschnipsel vor schwarzem Hintergrund. Anton löscht eine kleine Passage, tippt etwas Neues ein, verändert dort noch etwas im PHP-Code, speichert und prüft. Im selben Moment klingelt Antons Telefon. Die neue Funktion für das Kundenportal liefert einen Fehler. Der Digital Developer schaut sich das gleich an, findet die Ursache und passt den Code entsprechend an, noch während der Kunde am Telefon ist. Dieser ist hörbar zufrieden. Mit einer Tasse Tee gestärkt, kümmert sich Anton nun wieder um den PHP-Code. Das Problem lässt sich hier etwas schwieriger lösen. Um nicht zu viel Zeit zu verlieren, beschließt er, seinen Kollegen um Rat zu fragen…

Bedeutung des Berufsbilds Digital Developer

>>Es<< mit sauberem Code zum Laufen bringen

Ob Tablet, Smartphone oder Sprachassistenten wie Alexa – seit einigen Jahren schon nutzen wir Produkte, die ohne Software nicht funktionieren würden. In Zukunft erwarten uns selbstfahrende Autos oder komplett smarte Häuser. Wir brauchen Experten, die wissen, wie komplexe Probleme mithilfe von Software gelöst werden können.

Die „Probleme“ können ganz unterschiedlicher Art sein: Mal geht es um eine komplexe Website für ein großes Unternehmen, das zusätzlich einen Online-Shop integriert, mal möchte ein anderes Unternehmen eine spezielle App anbieten, die es so noch nicht gibt. Wieder andere müssen ihre ganze IT-Architektur überdenken, um im digitalen Transformationsprozess bestehen zu können.

Wir benötigen funktionierende, digitale Systeme, die unser Leben erleichtern und Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben lassen. Systeme, die mithalten können.

Digital Developer schaffen genau das: Sie entwickeln und programmieren Software, die lösungsorientiert und anwenderfreundlich sind und unser aller Leben erleichtern. Dabei achten Sie auch darauf, dass >>es<< nicht nur einfach funktioniert, sondern dass auch der verwendete Code sauber und wartbar ist, sodass keine andere Funktionen beeinträchtigt werden.

Simone Lindner, Digital Developer
Die Abläufe beim Kunden zu verstehen und diese dann über die Software abzubilden, finde ich einerseits sehr herausfordernd und zugleich auch super spannend.

Simone Lindner, Digital Developer bei visual4

Dabei ist der schönste Augenblick am Projektende, wenn die Software alle Anforderungen erfüllt und dem Kunden eine echte Hilfe bei seiner täglichen Arbeit ist.

Softwarelösungen entwickeln und Probleme lösen

Aufgaben eines Digital Developers

In Unternehmen und Agenturen arbeitet der Digital Developer daran, eine passende Softwarelösung für ein Problem zu entwickeln. Dafür arbeitet er eng zusammen mit dem Digital Architect an der Planung und Konzeption des zu erstellenden Software-Systems. Während der Digital Designer die Darstellung im Frontend umsetzt, programmiert der Digital Developer neue Softwarelösungen oder kümmert sich um die Schnittstellen zwischen verschiedenen Systemen. Er bringt sozusagen das System im Backend zum Laufen.

Die meiste Zeit des Arbeitstages programmiert der Digital Developer. Ganz wichtig dabei ist jedoch, dass der Softwareentwickler, entgegen dem Klischee des im dunklen Hinterzimmer sitzenden Nerds, einen engen Kundenkontakt pflegt und im Team und vor allem Hand in Hand mit den Kollegen zusammenarbeitet. Schließlich gilt es, komplexe Probleme zu lösen, exakte Anforderungen zunächst einzuschätzen, um sie dann anwenderfreundlich abzubilden. Der Digital Developer nimmt gelegentlich eine beratende Funktion ein, wenn er Kunden über Umsetzungsmöglichkeiten und Alternativen aufklärt.

Je nach Unternehmensgröße spezialisieren sich Entwickler oft in eine bestimmte Richtung. Die einen konzentrieren sich beispielsweise auf das Testing von Software im Entwicklungs- oder Beta-Stadium. Andere übernehmen Wartungsaufgaben von bestehenden Systemen, die up-to-date gehalten oder überarbeitet werden müssen. Wieder andere entwickeln ganz neue Systeme mit speziellen Anforderungen.

Hin und wieder greift der Digital Developer dem Digital Designer unter die Arme und unterstützt z. B. bei komplexeren Problemstellungen im Frontend.

Qualität sicherstellen

Coden bedeutet heutzutage nicht mehr nur eine funktionierende Lösung zu schaffen, sondern auch Tests zu entwickeln, die die Code-Qualität langfristig sicherstellen. Denn Software-Lösungen werden nicht einmal erstellt und dann niemals mehr angefasst. Entwickler verbessern und warten Software-Lösungen regelmäßig. Damit bei Änderungen aber alles noch so funktioniert wie zuvor, schreiben und konfigurieren Digital Developer Tests, die Abläufe simulieren und so automatisiert auf Fehler prüfen.

Professionelle Entwickler arbeiten zudem immer mit Testumgebungen. Erst wenn die neue Funktion oder die Änderung sauber auf dem Testsystem funktioniert und alle automatisierten Tests grünes Licht geben, schieben Digital Developer mithilfe eines Versionierungs-Tools wie Git die Änderungen auf das Live-System, mit dem täglich gearbeitet wird. Ausfälle eines Software-Systems kann für Unternehmen einen hohen Verlust bedeuten. Aufgrund dessen legen Digital Developer viel Wert auf die Qualitätssicherung.

Skills – welche Fähigkeiten ein Digital Developer mitbringen sollte

Lösungen entwickeln, und das im Team

Softwarelösungen werden mithilfe von Programmiersprachen geschaffen. Wer bei Digitalagenturen wie bei uns als Digital Developer arbeiten will, sollte sich mit Webentwicklung, also PHP und JavaScript, auskennen – sowie mit Datenbanken und Query-Sprachen wie SQL vertraut sein. Erfahrungen mit Frameworks wie Angular oder React sind ebenfalls von Vorteil. In Industrieunternehmen kommen u.U. ganz andere Programmiersprachen zum Einsatz – je nachdem, welches Problem gelöst werden soll. Wer als Digital Developer objektorientiert arbeitet, kann sich schnell in eine andere Programmiersprache einarbeiten. Und wenn im Team die aufgestellten Coding-Regeln befolgt werden, erhöht das zudem die Qualität der Software.

Neben den technischen Kompetenzen ist es für Digital Developer sehr wichtig, sich in den Kunden und dessen Problematik hineinversetzen zu können. Denn das ist die Voraussetzung dafür, dass die Anforderungen richtig verstanden werden.

Für den Digital Developer ist agiles Arbeiten quasi Standard. Oft gibt es innerhalb von Projekten auf Kundenseite kurzfristig Änderungswünsche. Daher muss das Team schnell handeln können. Agile Projektmethoden wie Scrum helfen dabei, schnell und effizient auf Änderungen zu reagieren.

Die wichtigsten Soft Skills, die ein Digital Developer mitbringen sollte:

  • Durchhaltevermögen
  • Lösungsorientiertes Denken
  • Abstraktes und logisches Denken
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Teamfähigkeit
  • Bereitschaft zum ständigen Lernen und Austauschen

Beliebte Tools für Digital Developer

  • eine IDE (Integrated Development Environment), wie z. B. PhpStorm – erleichtert dank bestimmter Automatismen das Programmieren
  • Kettle – ETL-Tool für die Datenmigrierung
  • Phpmyadmin – für die Datenbankadministration
  • Ispconfig – Serverkonfiguration
  • Selenium – Testsoftware
  • Microsoft Teams für die interne Kollaboration
  • Trello – für die externe Abstimmung
Anton Haas, Digital Developer
Die Kommunikation ist das A und O. Ein falsch verstandenes Wort kann mehrere Entwicklungstage zusätzlich kosten.

Anton Haas, Digital Developer bei visual4

Ausbildung

Wie wird man zum Digital Developer?

Typischerweise hat ein Digital Developer eine Ausbildung zum staatlich geprüften Informatiker oder ein Informatik-Studium mit BA- oder Master-Abschluss absolviert. Auch Ingenieure oder Naturwissenschaftler finden mitunter in der Softwareentwicklung den Einstieg ins Berufsleben. Theoretisch kann jeder, der sich die nötigen Programmiersprachen autodidaktisch beibringt und ansonsten alle wesentlichen Fähigkeiten für diesen Job mitbringt, als Digital Developer arbeiten.

Angebote für Informatikstudiengänge gibt es in Deutschland zuhauf, wie beispielsweise an der TU München, TU Darmstadt oder am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), um nur einige besonders renommierte Hochschulen zu nennen. Bildungseinrichtungen, wie die ADV (Akademie für Datenverarbeitung) in Böblingen können ebenfalls die nötigen fachlichen Kenntnisse vermitteln, die ein Digital Developer in seinem Berufsalltag braucht, und das oft in kleineren Gruppen und sehr praxisorientiert.

Fazit Berufsbild Digital Developer

Teamplayer und nur selten Nerd

Der Digital Developer übernimmt neben dem Digital Architect und dem Digital Designer die Entwickler- bzw. Programmieraufgabe in diesem Trio. In Digitalagenturen und Unternehmen, die sich der Herausforderung „Digitale Transformation“ stellen, ist der Digital Developer eine tragende Säule, denn eine anwenderfreundliche und funktionierende Software ist in nahezu allen Branchen essenziell für den unternehmerischen Erfolg.

Ohne Team und enge Kundenabsprachen können Digital Developer in der heutigen, schnelllebigen Welt nicht erfolgreich arbeiten. Gefragt sind also IT-Spezialisten, die sich nicht vor Kundenkontakt scheuen und aufgeschlossen sind für neue, innovative und agile Herangehensweisen.

 

Gemeinsam mit seinem Kollegen bespricht Anton das Problem. Dann stoßen sie endlich auf die Stelle, an der es ständig gehakt hatte. Eine kleine Codeänderung, und dann passt es. Im Team sind Probleme oft schneller lösbar, das wissen beiden Softwareentwickler zu schätzen. Als kleine Belohnung wird jetzt erst einmal eine Runde gekickert.

Freie Texterin Petra Jahn-Firle
Von Petra Jahn-Firle
Die Digitalisierung ist das Thema unserer Zeit. Content-Marketing-Expertin und Texterin Petra Jahn-Firle nimmt die Sichtweise der Unternehmen ein und bringt dieses komplexe Thema entspannt und praxisorientiert auf den Punkt.